Rationalität: ein Paradigma voller Irrtümer

Das Denken erfolgt in Gegensätzen, während sich das Leben aus den Spannungen komplementärer Kräfte entfaltet. Dualität ist eine Erfindung des Verstandes, die Wirklichkeit hingegen ist ein fließender, untrennbarer Prozess. Weil alle Abwehrmechanismen das bewirken, was sie abwehren sollen, ist das Werteverständnis grundlegend falsch. Werte sind allumfassend; das Verurteilen ist eine Folge der Trennungsillusion.

Das Mentale ist konditioniert und wiederholt die Muster der Vergangenheit. Da sich die Natur in jedem Moment neu aus ihrem Ursprung erhebt, muss auch das Denken schöpferisch sein: offen und gegenwärtig, frei von Einstellungen und Erwartungshaltungen.

Die additiven Strukturen des Denkens erzeugen die Illusion der Erreichbarkeit. Die Prämisse, dass man alles erreichen könne, was man wolle, hat den Alltag der Menschen in chronischen Stress und Selbstoptimierungsorgien verwandelt. Die Natur funktioniert so nicht.

Alles Lebendige kann sich nur in seiner Ganzheit und Einzigartigkeit entfalten. Lebendige Systeme sind die Summe ihrer Einzelteile – und etwas Wesentliches, das sie einzigartig macht. Das Wesentliche ist die unsichtbare Welt in uns, die nach ihrem Ausdruck sucht.

Jeder Mensch trägt eine einzigartige Essenz in sich, ein ursprüngliches Selbst, das jenseits aller Identifikationen, Rollen und Anpassungen liegt. Diese Essenz ist das Entwicklungsprinzip, aus dem die Energie und das Potenzial zur Transformation stammen.

Das Paradigma der Lebendigkeit

Systeme müssen innovativ, effektiv und effizient sein

Das gilt für Menschen, Organisationen und Gesellschaften gleichermaßen. Die Frage ist: Wie gelingt das heute? Das rationale Zeitalter basiert auf der Annahme auf, dass sich das Leben mit Wissen, Technologie und Zielerreichungslogik steuern lässt. Komplexität wird als Hindernis betrachtet und möglichst eliminiert. Ein schwerwiegender Fehler mit weitreichenden Folgen.

Organisationen kämpfen mit Innovationsträgheit und Wandlungsunfähigkeit. Weniger als ein Drittel der Mitarbeitenden ist motiviert, während die psychischen Belastungen drastisch angestiegen sind. Nicht nur die Natur steht am Kipppunkt: Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte chronischen Stress als die größte Gesundheitsbedrohung des 21. Jahrhunderts ein – bis der Klimawandel ihn überholte.

Die Lösungen sind das Problem

Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen der Funktionsweise der Natur und der Funktionsweise des Denkens:

Der fundamentale Fehler: Das Denken funktioniert anders als die Natur. Mentales Denken ist dualistisch – es trennt in Subjekt und Objekt, Problem und Lösung. Die Wirklichkeit aber ist ein einziger, fließender Prozess komplementärer Kräfte.

Alles Mentale beruht auf additiven Strukturen – und damit auf der Illusion von Erreichbarkeit. Doch das Leben erschöpft sich nicht im Werden, sondern setzt zunächst das Sein voraus.

It´s all about Mindset? Zum Glück nicht.

Menschen reagieren reflexartig aus vertrauten Denkmustern heraus. Wenn sie mit etwas konfrontiert werden, das ihre gewohnten Kategorien übersteigt, greifen sie sofort zu Einordnung, Interpretation und Abwertung und pressen das Neue in ihr bestehendes Weltbild. (KI macht das übrigens genauso.) Auf diese Weise bleibt Wandel zufällig, sprunghaft oder wird durch Leidensdruck erzwungen.

Unser Ansatz manipuliert keine Mindsets und verfolgt keine Idealzustände, sondern macht das Gegenteil: Er zeigt einen Weg, sich von den konflikterzeugenden Mustern zu befreien, die Menschen dazu treiben, mit sich und der Welt im Clinch zu liegen. Das Falsche zu lassen und das zu erkennen, was längst vorhanden ist, hebt die Lebensqualität auf ein anderes Niveau. Wer aus seiner inneren Wahrheit heraus handelt, spürt, wie jede Tätigkeit von einem Strom der Freude begleitet wird. Was könnte besser sein?

Die Irrtumsmaschine

Denken basiert auf additiven Strukturen, die Natur hingegen auf Ganzheiten (Quanten). In diesem Gegensatz von Dualität und Nondualität wurzeln sämtliche Konflikte. Weil Menschen sich mit ihrem Denken identifizieren, verwechseln sie ihre Gedanken mit der Wirklichkeit – und erleben sich als getrenntes Einzelwesen in einer Welt, in der sie mit anderen um ihre Erhaltung konkurrieren müssen.

Sie müssen Ziele erreichen, was im Kern bedeutet, dass sie mit schlechten Zeiten gute Zeiten erringen wollen. Wohlbefinden ist jedoch nicht skalierbar und kein Moment, der in Unzufriedenheit verbracht wurde, lässt sich kompensieren. Die Folge ist chronischer Stress, den die Weltgesundheitsorganisation als die größte Bedrohung des 21. Jahrhunderts einstufte – bevor er vom Klimawandel übertroffen wurde.

Probleme lösen sich nicht mit der Denkweise, die sie erschaffen hat

Die Reduktion des Lebens auf die Funktionsebene führt zu einer erschöpften Normalität, die sich durch Getriebenheit, Effizienz und innere Leere auszeichnet. Es gibt unzählige Konflikte zu bewältigen, die jedoch häufig nicht an ihrem Entstehungsort – sondern im Außen wahrgenommen werden.

Das Denken in Trennung erzeugt Standpunkte und Haltungen, die wesentliche Bereiche des direkten Erlebens verleugnen. Die unflexible, unnachgiebige Natur der Einstellungen ist eine Hauptquelle der Disharmonie. So entsteht das Unbewusste, das Menschen immer wieder mit dem konfrontiert, was sie nicht wahrhaben wollen.

Der Verstand selbst kann diese Misere nicht beenden, denn seine dualistische Funktionsweise ist der eigentliche Ursprung des Problems. Jede seiner Strategien erzeugt eine neue Zweck- und Steuerungslogik. Vier Jahrzehnte kultureller Veränderungen in Organisationen haben zu einem exponentiellen Anstieg psychischer Erkrankungen sowie zu einem historischen Tiefstand des Mitarbeiterengagements geführt. Die Strategie des Verstandes lautet: mehr desselben. Der neueste Trend des Kulturwandels ist daher folgerichtig: KPI für die Ökonomie der Psyche.

Du bist nicht dein Verstand. Du bist nicht deine Gedanken. Du bist das Bewusstsein, das sie wahrnimmt.

Ramana Maharshi

Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie denken

Die Illusion, das Leben mental steuern zu können, ist so tiefgreifend und hartnäckig, dass sie sogar in wissenschaftlichen Entwicklungsmodellen wie Spiral Dynamics verankert ist. Doch alles Mentale ist relativ – es erfasst nicht das Wesentliche, das jenseits raumzeitlicher Bedingungen existiert.

Die Menschheit wird von einem ständig wachsenden Strom von Problemen beherrscht, weil das Denken die Kausalebene nicht erfasst. Auch die Systemtheorie bleibt auf die Wechselwirkungen der Erscheinungsebene begrenzt. Die Wirklichkeit – das, was aus sich selbst heraus existiert – liegt im Ursprung der Phänomene, dort wo Yin und Yang noch nicht getrennt sind.

Ganzheit ist kein Ziel – sondern Ausganspunkt

Wir brauchen ein Paradigma, das Ursachen- und Erscheinungsebene zusammen denkt, denn daraus entsteht lebendige Komplexität. Dies ist nicht durch die Addition von Perspektiven (integrale Theorie) zu erreichen, sondern durch das Wesentliche selbst, durch die Dynamik der prozesshaften Natur.

Alles Lebendige kann sich nur in seiner Ganzheit und Einzigartigkeit entfalten – und zwar unter Bedingungen, die seinem Wesen entsprechen. Diese Ganzheit, diese Innerlichkeit hat nichts mit den konditionierten Gedanken und Gefühlen zu tun, die der Mensch für sein Ich hält. Das Projizieren bedeutet ein Ignorieren der Innenwelt. Und bei letzterer geht es nicht bloß
um innerseelische Konflikte, sondern um viel mehr.
alles Rationale betrifft letztlich nur das Außen, auch wenn es das „Innen“ thematisiert
(als Subjekt und Subjektives). Das kommt der Innenwelt nicht einmal nahe.
Das Innen ist eine Innenwelt, in der das Innen dem Außen entspricht und gar nicht zu trennen ist.